Der Dirigent Lionel Bringuier stammt aus Nizza und kehrte an die dortige Oper zurück. Weltweit tritt er auf, und immer braucht er das ganze laute Leben um sich herum
CICERO / Februar 2020
Lionel Bringuier mag das ungefilterte Rauschen des Alltags. Während andere Musiker jenseits der Bühne die Stille und die akustische Askese suchen, genießt Bringuier das laute Leben. Ein Vormittag Ende September in einem Café in der Altstadt von Nizza. Die Tische sind gut gefällt, aus dem Radio tönt Musik, hinter der Theke klappert das Geschirr. Mittendrin sitzt Lionel Bringuier, lächelt und nippt an seinem Espresso. „Ich brauche das um mich herum, die Leute, den Lärm“, sagt der Dirigent. Bringuier ist indes kein lauter Typ, sondern ein zugewandter und aufmerksamer Beobachter. Zum Dirigieren hat der 33-Jährige eher zufällig gefunden. Aufgewachsen in Nizza, war die dortige Oper schon früh sein „zweites Zuhause“. Mit fünf Jahren bekam er seinen ersten Cello-Unterricht und bald war ihm klar, dass er Musiker werden wollte. Mit 13 Jahren ging er ans Konservatorium nach Paris, parallel zum Cello-Studium begann er mit dem Dirigieren – es wurde sein Lebensinhalt. Doch auch wenn Bringuier mittlerweile ausschließlich vor dem Orchester steht, ist er in seinem Grundverständnis ein Kammermusiker geblieben. „Es ging mir nie darum, im Rampenlicht zu stehen“, sagt der Künstler. „Ich wollte immer schon einfach nur Musik mit anderen Menschen machen.“
Längst lebt er diesen Wunsch auf den großen Bühnen...